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Schafaq Gebetszeiten

Fadschr

Beginn mit dem wahren Morgengrauen, Ende mit dem Sonnenaufgang.

Die Definition

Fadschr beginnt mit dem wahren Morgengrauen, al-fadschr as-sadiq. Das ist das Licht, das quer am östlichen Horizont erscheint und sich von dort ausbreitet. Davon abzugrenzen ist das falsche Morgengrauen, al-fadschr al-kadhib: ein länglich, also senkrecht aufsteigendes Licht, auf das wieder Dunkelheit folgt. Das Zodiakallicht ist der astronomische Name dafür.

Der Gegensatz ist damit nicht blass gegen farbig und auch nicht schwach gegen stark. Er ist senkrecht und vorübergehend gegen waagerecht und fortschreitend. Ein sehr schwaches Licht kann dem Begriff nach bereits zum wahren Morgengrauen gehören, wenn es waagerecht verläuft und weitergeht.

Belegstellen: al-Mausili, al-Ichtiyar li-taʿlil al-Muchtar, Bd. 1, S. 51, im Kapitel über die Gebetszeiten. Die zugrunde liegenden Überlieferungen bei al-Buchari, Adhan 13 und Saum 17; Muslim, Siyam 36 bis 38; Abu Dawud, Saum 17; ad-Daraqutni II, 165. Zur innerislamischen Feinunterscheidung, ob der erste Beginn der waagerechten Helligkeit oder eine spätere Rötung gemeint ist, siehe at-Tahawi II, 52 bis 54; al-Chattabi II, 760; al-Aini X, 297. Die Mehrheit hat die deutlich am Horizont verbreitete Weißheit als Mitte zwischen beiden verstanden.

Warum die klassischen Quellen keine Gradzahl nennen

Sie nennen keine, und das ist kein Versäumnis. Die Überlieferungen und die Rechtswerke beschreiben eine Erscheinung. Ein Sonnenwinkel ist etwas anderes: die Antwort auf die Frage, bei welchem Sonnenstand diese Erscheinung unter bestimmten Bedingungen festgestellt wird. Das ist eine Messfrage, und sie hängt an Luftzustand, Lichtverschmutzung, Horizont, Beobachter und Verfahren.

Diese App hält die beiden Fragen deshalb auseinander. Was rechtlich gilt, ist das waagerechte Licht. Welche Zahl das trifft, ist eine Zuordnung, und jede angebotene Zahl nennt hier, von wem sie stammt.

Was am Horizont wirklich geschieht

Sonnenlicht ist elektromagnetische Strahlung. Steht die Sonne unter dem Horizont, erreicht uns nur noch, was die Atmosphäre in großer Höhe streut. Der Weg dieses Lichts durch die Luft ist dabei sehr lang, und je tiefer die Sonne sinkt, desto länger wird er.

Auf diesem Weg passiert zweierlei. Erstens wird das kurzwellige, blaue Ende des Spektrums am stärksten aus dem Strahl herausgestreut. Übrig bleibt zuerst das langwellige, rote Ende, und genau das sehen wir als Röte am Horizont. Zweitens nimmt die Strahlstärke insgesamt ab. Ist die Sonne tief genug, ist auch vom roten Anteil nichts mehr da, und es bleibt nur noch ein blasser, farbloser Schein, bis auch der verschwindet.

Der Himmel vor Sonnenaufgang, aufgetragen über die Sonnenhöhe dunkel waagerechtes Licht Röte Sonne da −6° −12° −18° waagerechtes Licht beginnt Messung Diyanet 17,8°, Dar al-Iftaa 19,5° Kalenderkonvention Rückwärts gelesen: die Sonne steigt →
Oben die Erscheinungen, unten die Gradzahlen. Die Überlieferung beschreibt nur die obere Reihe. Welche Sonnenhöhe eine Erscheinung trifft, ist eine spätere Messfrage, und deshalb stehen dort Bänder und keine Striche.

Ausführlich, mit Brechung, Rayleigh-Streuung und der Rolle der Weglänge durch die Luft: Was mit dem Licht geschieht.

Die angebotenen Winkel und ihre Herkunft

WinkelWas damit gemeint istWer
18° Beginn des waagerechten Lichts am Osthorizont Diyanet; Fiqh-Akademie der Muslimischen Weltliga, Beschluss von 1986; Weltkonferenz zu Gebetszeiten, Istanbul 2021; jordanisches Iftaa-Amt
19,5° der erste feine, waagerechte Lichtfaden Dar al-Iftaa, Ägypten, Fatwa 4021 vom 20.03.2017; amtlich verwendeter Wert
12° ein erheblich späterer, deutlich hellerer Zustand Kalenderkonvention. Historisch in einer der UOIF zugeschriebenen Tabelle für Nizza von 2004 und vom Europäischen Fatwarat 2003/2004 als eine von mehreren Schätzungen für hohe Breiten zugelassen. Keine belegte klassische Schulposition.

Die Messreihe, die den Wert stützt

Eine von Diyanet veröffentlichte, begutachtete Beobachtungsstudie wertete 56 visuelle und 50 fotometrische Beobachtungen aus. Der instrumentell bestimmte Beginn der waagerechten Helligkeit lag im Mittel bei einer Sonnenhöhe von rund −17,8° und stimmte innerhalb der Messunsicherheit mit dem von Diyanet angesetzten Zeitpunkt überein.

Ein Ergebnis derselben Studie gehört ausdrücklich dazu: Ungeübte Beobachter bemerkten dasselbe schwache Signal mit bloßem Auge im Mittel 15,8 Minuten später. Wer selbst hinausgeht und nichts sieht, hat damit noch nicht gezeigt, dass nichts da ist. Quelle: Sacit Özdemir und İlhami Aşıkkaya, „İmsak ve Tan Vakitlerinin Gözlemsel Yolla Tespiti“, Diyanet İlmî Dergi 52/2 (2016), S. 31 bis 41, dort besonders S. 38 bis 40.

Was das für Deutschland bedeutet

18° werden ab 48,56° nördlicher Breite um die Sommersonnenwende nicht mehr erreicht, also in fast ganz Deutschland. 12° bleiben bis 54,56° erreichbar. Das ist der Grund, aus dem viele Kalender mit kleineren Winkeln arbeiten: Sie liefern dann noch eine Zahl.

Diese App geht den anderen Weg. Sie meldet offen, dass das Zeichen nicht eintritt, und überlässt es der Einstellung, ob eine Schätzregel greifen soll und welche. Alles Weitere unter Hohe Breiten.

Was die App rechnet

Gesucht wird der Zeitpunkt, zu dem die geometrische Sonnenhöhe genau dem negativen Winkel entspricht. Ohne Refraktionskorrektur, ohne halben Sonnendurchmesser und ohne Kimmtiefe. Diese drei Korrekturen gehören zum sichtbaren Horizont und damit zu Sonnenaufgang und Maghrib. Ein Dämmerungswinkel ist dagegen eine Definition über die Sonnenhöhe selbst; wer dort korrigiert, verschiebt die Definition. Das ist der häufigste stille Fehler in selbstgebauten Rechnern.

Zur Einstellung des Fadschr-Winkels