Berechnung
Jede Zahl in den Einstellungen stammt aus einer Meinung. Diese Seiten sagen, aus welcher, worauf sie sich stützt und was rechnerisch daraus folgt. Sie sprechen keine Empfehlung aus. Die Wahl trifft, wer die App benutzt.
- Was mit dem Licht geschieht Brechung und Streuung in der Atmosphäre, und was daraus für die Dämmerung folgt.
- Fajr Das waagerechte Licht am Osthorizont, und wie daraus Gradzahlen wurden.
- Dhur Der Sonnenhöchststand, und woher die Sicherheitsminuten stammen.
- Assr Einfacher oder doppelter Schatten, und warum der Mittagsschatten abgezogen wird.
- Maghreb Der wirkliche Horizont, und die einzige bleibende Unsicherheit der Rechnung.
- Isha Rote oder weiße Dämmerung, und welche Gradzahl zu welcher gehört.
- Hohe Breiten Was gilt, wenn die Sonne den Winkel nie erreicht. Für Deutschland der Normalfall im Sommer.
Was scharf ist und was geschätzt
Die sechs Zeiten sind nicht gleich genau bestimmbar, und das ist keine Schwäche der Rechnung, sondern eine Eigenschaft des Himmels. Bei zweien geschieht etwas mit einem Rand: Beim Sonnenaufgang erscheint die Oberkante der Scheibe, bei Maghreb ist sie vollständig verschwunden. Man kann hinsehen und sagen: jetzt.
Bei Fajr und Isha gibt es dieses Jetzt nicht. Dort wird der Himmel allmählich heller oder dunkler, ohne Sprung und ohne Kante. Die Frage ist nicht, wann ein Ereignis eintritt, sondern ab wann man eine stetige Veränderung als eingetreten bezeichnen will. Das ist eine Ermessensfrage, und deshalb gibt es dazu verschiedene Meinungen und verschiedene Gradzahlen.
Wie groß diese Zone ist, lässt sich beziffern. In Deutschland braucht die Sonne für ein Grad Tiefe je nach Jahreszeit etwa fünf bis über zehn Minuten. Eine Viertelstunde Unterschied zwischen zwei Kalendern entspricht damit ungefähr zwei Grad Sonnentiefe, und in diesen zwei Grad geschieht am Himmel nichts, was ein Auge als Ereignis erkennen könnte. Die Helligkeit nimmt gleichmäßig zu oder ab, sonst nichts.
Daraus folgt nichts darüber, wie jemand zu beten hat. Es folgt nur, dass die Uhrzeit eine Schätzung ist, auch dann, wenn sie auf die Minute genau dasteht. Wer das weiß, muss über eine Viertelstunde Abweichung nicht streiten: Sie liegt innerhalb der Unschärfe der Erscheinung selbst.
Wenn dein Kalender andere Zeiten zeigt
Legt man zwei Gebetszeitenkalender nebeneinander, stehen dort selten dieselben Uhrzeiten. Die Unterschiede reichen von wenigen Minuten bis über eine Stunde. Das ist normal, und es heißt nicht, dass einer der beiden falsch rechnet. Beide rechnen dieselbe Sonnenbahn, sie setzen nur andere Werte an: den Dämmerungswinkel für Fajr und Isha, den Schattenfaktor für Assr, den Umgang mit den Wochen, in denen die Zeichen hier gar nicht eintreten. Diese Werte stammen aus unterschiedlichen Gelehrtenmeinungen. Andere Meinung, andere Uhrzeit, gleiche Rechnung.
Daraus folgt eine andere Frage als die, die meistens gestellt wird. Sie lautet nicht, welcher Kalender recht hat, sondern welcher Meinung du folgst und ob du bei ihr bleibst. Der Wechsel von Tag zu Tag zu der jeweils bequemeren Zahl bringt dich in eine Lage, die keine der Meinungen für sich vorsieht. Genau dabei soll diese App helfen. Sie legt die Werte offen, und wenn du dich für welche entschieden hast, rechnet sie jeden Tag konsequent damit weiter.
Hängen in deiner Moschee andere Zeiten aus, ist das kein Widerspruch, den du auflösen musst. Trag unter Einstellungen die Werte ein, mit denen dort gerechnet wird. Dann zeigt Schafaq dieselben Zeiten, und du siehst zusätzlich, wie sie zustande kommen. Wer sie kennt, kann sie prüfen. Wer sie nicht kennt, kann nur glauben oder zweifeln.
Eine Haltung, kein Vorwurf an eine bestimmte Stelle: Viele veröffentlichte Kalender nennen ihre Grundlage nicht. Es steht dort eine Uhrzeit, aber nicht, welcher Winkel und welche Regel dahinterstehen. Ändert sich die Zahl, erfährt niemand, warum. Das ist der Grund, aus dem diese App gebaut wurde. Über Gebetszeiten muss niemand streiten, aber man sollte wissen, woher sie kommen.
Was diese App nicht tut
Sie nennt keine Meinung die richtige, und sie rechnet nichts hinein, was sie nicht ausweist. Wo eine Zeit astronomisch nicht eintritt, sagt sie das und nennt die Fehlmarge in Grad, anstatt still eine Ersatzregel anzuwenden. Wer eine Ersatzregel einschaltet, sieht am Ergebnis, dass sie gegriffen hat, und im Rechenprotokoll, welche Zahlen dabei übertragen wurden.
Warum bei Fajr und Isha Erscheinungen gelten und keine Zahlen
Die überlieferten Beschreibungen benennen Erscheinungen am Horizont, nicht Sonnenwinkel: das quer erscheinende und sich ausbreitende Licht am Morgen, die Röte und die danach verbleibende weiße Helligkeit am Abend. Alle sind beobachtbar. Keine klassische Rechtsschule nennt dazu eine Gradzahl.
Die Winkel sind spätere Zuordnungen: die Antwort auf die Frage, bei welchem Sonnenstand die jeweilige Erscheinung unter bestimmten Bedingungen festgestellt wird. Deshalb gehören zu jeder Zahl in dieser App eine Institution und ein Jahr, und deshalb streuen die Zahlen: Die Farbgrenze am Himmel ist keine Kante, und Luftzustand, Lichtverschmutzung und Beobachter wirken mit. Ausführlich mit Grafik unter Isha und Fajr, physikalisch unter Was mit dem Licht geschieht.
Was die App genau rechnet
Die Sonnenposition folgt Meeus, Astronomical Algorithms, Kapitel 25, inklusive Aberration und Nutation. Der Zeitpunkt zu einer Zielhöhe wird nicht genähert, sondern durch fortgesetztes Halbieren des Zeitfensters bestimmt, bis die Sonnenhöhe auf Bruchteile einer Bogensekunde getroffen ist. Der Grund steht auf der Seite zu den hohen Breiten: An flachen Durchgängen wird aus einem winzigen Höhenfehler ein Zeitfehler von Minuten.
Die größte verbleibende Unsicherheit liegt nicht im Modell, sondern in der Atmosphäre. Mehr dazu unter Maghreb.